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December 1, 2005

France: USAToday leuchtet in die Banlieue und befragt den Bürgermeister von Clichy-sous-Bois

In einem gestern von USAToday veröffentlichten Artikel von Noelle Knox and Claudia Sanchez (in Englisch) wird Bürgermeister Oliver Klein von Clichy-sous-Bois, dem Ausgangsort der Jugendunruhen in Frankreich, zitiert.

Nach Meinung von Klein hat die französische Regierung zu wenig für die verarmten Vorstädte getan. Obwohl die Kriminalität seit Jahren wächst, gibt es in Clichy-sous-Bois (28′000 Einwohner) keine Polizeistation. Auch besteht zwischen der rund 15 Kilometer ausserhalb von Paris gelegenen Gemeinde und Paris keine öffentliche Bahn- oder direkte Busverbindung.

Clichy-sous-Bois benötigt Geld, um die verfallenden Wohnblocks zu sanieren. Oliver Klein sagt, dass die Wasserversorgung der Gebäude regelmässig ausfällt.

By Eric | Category: In Flagranti, Linktips
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November 28, 2005

Heute ist Montag: Keine Teamsitzung. Ab ins Neptunbad… Vergeblich!

Eigentlich hätte heute Morgen die Teamsitzung stattfinden sollen. Da stolperten wir über (unser Screenshot)…
Hirnriss1

… gradeten unsere Brains up und erkannten endlich die Nettobotschaft (unser Screenshot):
Hirnriss2

Es gelang uns allerdings nicht, das Neptunbad zu finden. So ging’s ungebadet in die Kaffeepause, wo unser jüngstes Teammitglied erklärte, man erkenne in der BRD nun immer deutlicher die Folgen der sozialdemokratischen Bildungspolitik. Wir alle hoffen, dass die keinen Groeswahn bekommen!

Unser stilles Gebet galt Bert.

By Eric | Category: Backyard, In Flagranti
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October 30, 2005

Sonntag: Vorgezogene Teamsitzung. Anschliessend Eilpost zu Mingels und Rückbesinnung auf einen Grabbesuch in Berlin

Morgen Abend ist Halloween. Da eines unserer Teammitglieder unter Kürbis-Allergie leidet, feiern wir dann jedoch Samhein. Beim Eindunkeln werden wir Kerzen in die Bürofenster und zwei Flaschen Grappa auf den Tisch stellen, um unseren Ahnen den Weg zu weisen.

Das 1. Traktandum der vorgezogenen Teamsitzung - Erhöhung der Krankenkassen-Prämien - war kaum eröffnet, da erfolgte bereits ein Ordnungsruf. Unser jüngstes Teammitglied beharrte darauf, das folgende Gedicht von Bertolt Brecht zu verlesen:

Appell

Wir gratulierten unserem Jüngsten zu seiner fehlerfreien Rezitation und beschlossen, die Sitzung abzubrechen und die Antwort des kranken Kommunisten abzuwarten.

Die Eilpost wurde anschliessend bei einer Tasse Kaffee erledigt. Sie betraf den Magazin-Artikel von Guido Mingels über das Internet (Die Revolution, die keine war), zu dem wir am Freitag ein kurzes Entry verfasst hatten.

Nun nimmt die gegnerische Mannschaft langsam Konturen an (und hat rasch ein Forum zusammengebastelt). Wir waren uns einig: Gegen die Spielintelligenz von Mingels ist die gegnerische Verteidigung auf verlorenem Posten. Im Zentrum stehen drei Vertreter aus dem Internet-Business; die werden das Internet mit Händen und Füssen verteidigen, sind aber infolge ihrer Interessenlage unglaubwürdig.

Wiederum verblüffte uns das jüngste Teammitglied:

Kinder, erklärte er, unterschätzt mir die Intelligenz dieser Leute nicht. Das sind einfach die moderneren Kapitalisten als der Jeker, Ruedi. Für die ist doch Mingels’ Artikel ein gefundenes Fressen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die kriegen Referrers auf ihr Forum, dass es nur so chlöpft. Die werden jetzt in der Schweizer Blogszene endlich bekannt - oder habt ihr schon mal etwas von einer “Zeix AG” gehört?

Brecht mit ZigarreDa nickten wir uns gegenseitig anerkennend zu und bestellten noch eine Tasse Espresso. Anschliessend philosophierten wir etwas wehmütig darüber, wie es wäre, wenn Bert (links) nun zur Türe hereinkäme und sich mit seiner Zigarre zu uns setzen würde. Noch vor vier Wochen standen wir an seinem Grab in Berlin…

Related links:
Grappa - Tresterbranntwein mit 40-50 Volumen-% Alkohol, besonders in Norditalien hergestellt. Grappa ist nur und ausschliesslich eine italienische Spirituose, die durch direkte Destillation des Tresters gewonnen wird. (Definition von Italia - g26)
Foto Bertolt Brecht von Poesia del ‘900

Martini Update GifUpdate (today, but some bits later):
Hier (endlich) der Stein des Anstosses: Der Artikel von Guido Mingels (Screenshot unten), downloadbar bei nutzbar.ch als 636 KB schweres PDF-Dokument.

Screenshot Keine Revolution

Hinweis für Lehrerinnen und Lehrer:: Text kann ausgedruckt und zum Beispiel im Medienunterricht diskutiert werden. Bei Problemen mit dem Drucker findet sich in der Klasse sicher jemand, der Bescheid weiss.

By Gris-Gris | Category: Backyard, In Flagranti
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September 22, 2005

Österreich!

oesterreich

Jubeljahr 2005: 60 Jahre Befreiung, 50 Jahre Staatsvertrag, 10 Jahre EU-Mitgliedschaft. Und der nächste Ski-Winter ist auch schon bald. Deshalb: Österreich! - ein Kurzfilm (streaming, QuickTime) von Hubert Sielecki. Von der Aktionsplattform gegen die national-konservative Jubelmaschine.

By Eric | Category: In Flagranti, Linktips, Uncategorized
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August 11, 2005

Our Weekly Postcard (I)

Sculpture

Added value free of charge. A prudent graffito (by an unknown artist) improving a hair-raising sculpture (by a well-known artist).

By Eric | Category: Backyard, In Flagranti
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August 5, 2005

Schweiz: Markus Kutter ist tot (und wir beklagen in diesem Zusammenhang auch eine Archivleiche)

Letzte Woche ist der Basler Citoyen, Publizist und Unternehmer Markus Kutter verstorben. Wir haben Kutter hier noch vor einigen Wochen als Mit-Autor von achtung: die schweiz erwähnt.

Der Meldungen von Kutters Ableben waren viele, und es gab auch einige lesenswerte Nachrufe im Netz (zum Beispiel: hier und da). Ausserhalb der Landesgrenzen scheint Kutter vor allem als Mitbegründer der Werbeagentur GGK wahrgenommen zu werden. Immer wieder konnte man denn auch lesen, nun sei das K von GGK abgetreten.

GGK hat sich längst als magisches Kürzel verselbständigt. Die originale Werbeagentur GGK existiert schon seit vielen Jahren nicht mehr. Entstanden war sie 1962, als sich der Architekt (und Musikfanatiker) Paul Gredinger zu jener Agentur gesellte, die Kutter und der Graphiker Karl Gerstner bereits 1959 gegründet hatten (siehe hierzu auch: The designer as programmer - Karl Gerstner by Eye Magazine). GGK, nicht zuletzt dank Aufträgen der Basler Chemie gut gepolstert, war äusserst erfolgreich. Einige ihrer Kampagnen erregten internationales Aufsehen. Filialen im Ausland wurden eröffnet, unter anderem die (heute als legendär geltende) GGK-Filiale in Düsseldorf.

Bei GGK arbeiten zu dürfen war der Traum vieler junger Graphiker und Texter. Einer, allerdings, der das gekonnt hätte, lehnte dankend ab: der aus der Innerschweiz stammende Werbetexter Uli Wiesendanger. In einer biographischen Notiz (PDF, 116 KB, persönlich. com, Januar 2002) erinnert er sich an seine Begegnungen mit Markus Kutter und den anderen Chefs von GGK:

GGK in Paris und Basel, 1967. Dr. Markus Kutter besucht mich in Paris. Ich arbeite bei Young & Rubicam, und er fragt sich, ob ich zu einer noch nicht existierenden GGK Frankreich passen würde. Wir trinken zuerst etwas auf den Champs Elyseés. Sein Buchhalter ist auch dabei und wird mir als Martin Suter vorgestellt. Er ist unglücklich, weil er gerne Texter werden möchte. Ich habe eigentlich nichts zu verlieren und mache Herrn Dr. Kutter darauf aufmerksam, dass es viel weniger gefährlich für seine Agentur sei, einen Buchhalter zum Texter zu machen als umgekehrt. Ich bin mir voll bewusst, dass ich mit dieser Bemerkung der Schweizer Literatur wieder auf die Beine helfe.

Nachher schlägt Markus vor, ich darf jetzt Markus sagen, nach dieser ersten Leistung, dass wir zusammen in die Agentur nebenan gehen und für den Rest des Nachmittags gemeinsam eine Anzeige für Young & Rubicam Paris schreiben. Es geht um eine neue Textilfaser, die den Modeschöpfern erlauben soll, Kleider zu entwerfen, die Frauen noch anziehender machen. Nach einer Weile schreibt Markus: “Our researchers think from morning to evening only about women.” (Wir sind in einer amerikanischen Agentur.) Es ist eine Headline, die ich nachvollziehen kann. Ich gebe also auf, und er gewinnt.

Die Revanche findet eine Woche später in Basel statt. Das Briefing wird gleichzeitig von den Herren Gerstner, Gredinger und Kutter gegeben. Ist also verständlicherweise verwirrend und deshalb ein bisschen unfair. Robert Stalder soll mich beurteilen. “Herr Wiesendanger, wir sind hier in einer Agentur, die sich in Basel befindet. Basel ist die Metropole der Schweiz, schulterreibend mit Frankreich und Deutschland. Unsere Werbung ist deshalb oft zu intellektuell, zu grossstädtisch, zu geistreich. Dem breiten Publikum schwer zugänglich. Wir brauchen dringend einen einfachen Innerschweizer, der mit beiden Füssen fest auf dem helvetischen Boden steht. Ich wäre dafür, Sie einzustellen.”

Es tut mir natürlich grundsätzlich gut, dass ich richtig beurteilt werde. Warum bin ich trotzdem nicht hingegangen? Weil es mir auch gut tut, wenn ich ein bisschen überschätzt werde, wahrscheinlich.

Markus Kutter stieg 1975 bei GGK aus und war seither vor allem als Einzelkämpfer (auf verschiedenen Gebieten, auch in der Politik) tätig.

GGK selbst ist im Netz erstaunlich schlecht dokumentiert und originales GGK-Material nur schwer auffindbar. Eine Website der Schule für Gestaltung Basel weist auf 350 eingelagerte Schachteln hin: Archiv der Werbeagentur GGK Basel ca. 1956 – 1996, Entwürfe, Präsentationen, Inserate, Prospekte, Filme etc.

So ist - neben Markus Kutter - also noch eine andere Leiche zu beklagen: die GGK-Archivleiche. Zumindest sie könnte aber wiederbelebt werden. Das wäre doch was, liebe Basler Archivare!

By Eric | Category: In Flagranti
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