March 12, 2009
Staatsphilosophisches / Schweiz: Jein, Frank A. Meyer!
Auf die Gefahr hin, dass wir nun wie Hurrah-Patrioten erscheinen:
Wir sassen vor wenigen Wochen mit deutschen Bekannten abends in einer (nicht ganz billigen) Zürcher Bar – und unweigerlich kam das Gespräch auf die Schweiz und ihr Image in der weiten Welt allgemein und in Deutschland speziell.
Vorauseilend absichernd sagten wir schon mal: Schlecht ist es. Wir sind Rosinenpicker und verstecken zu unserem Vorteil die hinterzogenen Steuergelder von Ausländern…
Und dann trauten wir unseren Ohren nicht, als wir hörten: Also bei uns habt ihr überhaupt kein schlechtes Image – im Gegenteil: Man liebt euch! Mit einer Ausnahme: Joe Ackermann. Den Ackermann hättet ihr bei euch behalten sollen.
Nun, wir sind keine Weltenbummler, aber doch auch schon da und dort gewesen und verbringen regelmässig einen Teil unserer Zeit in Berlin -
- nach dieser schmeichelhaften Antwort unserer deutschen Bekannten, die uns bis dato damals eigentlich nicht als Schleimscheisser aufgefallen waren, liessen wir im Geiste unsere Ausland-Aufenthalte und -Reisen Revue passieren -
- und mussten uns eingestehen: Eigentlich haben wir nie etwas Schlechtes über die Schweiz gehört – auch nicht, sogar nicht und gerade auch nicht in den USA oder aufm Balkan.
Lassen wir die Schweiz-Klichees beiseite – die gibt es, aber sie sind eher harmloser Natur. Wie eben ein Kleinstaat schon grundsätzlich von harmloser Natur ist: Er kann – in aller Regel – nicht über seine Nachbarn herfallen. So gilt er schon mal als friedfertig, was viel wert ist -
- und so ist denn diese Wirtschaftskrieg-Rhetorik, die Sie erwähnen, kontraproduktiv, hochfahrend, lächerlich – aber sie dient eh nur zum Einschwören von Einheimischen und wird ausserhalb kaum gehört.
Warum Jein, Frank A. Meyer? Darüber dürfen Sie selber nachdenken. (
) Zwei klare und konstruktive Ja unsererseits noch zum Schluss:
Ja, die Schweiz sollte sich mehr beteiligen… Und ja, dieser Journalisten-Defätismus dem eigenen Metier gegenüber ist ein Teilchen im Puzzle Medienkrise. Würden sich die Gipsermeister und ihr Verband so verhalten, würde früher oder später niemand mehr sein Haus verputzen, und wir müssten in einer Welt des Sicht-Betons und -Mauerwerks leben.
Zum Glück sind die Gipsermeister und ihr Verband schlauer als die Journalisten!
Sonntag Online: «Es herrscht Inzucht im Zürcher Journalismus» (Interview mit Ringier-Mann und Journalist Frank A. Meyer/Auszug, 8. März)
By Gris-Gris at 1:16 pm CET | Category: Backyard, Linktips
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March 11, 2009
Internet – the age of innocence was over
Lady Miller, Liberal Democrat peer, in: Web inventor warns against third-party internet snooping – Sir Tim Berners-Lee speaks out against collection of users’ data by commercial companies (guardian.co.uk, March 11)
He said there were considerable risks of abuse of such histories of personal internet use, including the selling of personal profiles, using it to determine job applications and insurance premiums, and the danger of criminal predators choosing, stalking and targeting victims.
By Eric at 3:40 pm CET | Category: Great sayings, Linktips
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Schweiz / Börse am Mittag: Ein Hauch von Bullenschweiss!
Ist doch schön und beruhigend, wenn wieder etwas Vertrauen im Markt ist. Eilfertig haben die Medien morgens mit dramatischen Worten von einem Zusatzverlust unseres Sorgenkinds UBS berichtet -
- was der positiven Entwicklung der Aktie UBS N/Valor/ID: 2489948 aber bis jetzt keinen Abbruch tat. Sie kratzt gegenwärtig (14:00 Uhr Lokalzeit) von unten an der 10er Marke.
Auch CS GROUP N/Valor/ID: 1213853 und SWISS RE N/Valor/ID: 1233237 legen kräftig zu. Gestern hiess es: Börse goutiert die Manager-Rochaden nicht (Tages-Anzeiger) – und tatsächlich schockten vorübergehend neue Allzeittiefs. Aber: Tempora mutantur!
Wer gehört bis jetzt zu den Spitzenverlierern des Tages? Unter anderem TAMEDIA N/Valor/ID: 1117825, wie wir auf Tages-Anzeiger/Börse leider erfahren müssen.
By Gris-Gris at 2:32 pm CET | Category: In Flagranti, Linktips
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Medienkrise / Bewältigung / Auslegeordnung ‘Sympathieträger’: Es braucht das persönliche Opfer!
Arsenio Escolar, Chefredaktor der spanischen Gratiszeitung 20Minutos, hat sich und seinen Mitarbeitern eine zehnprozentige Lohnkürzung verordnet und meint, im Falle einer staatlichen Unterstützung der Presse sollten auch die Gratiszeitungen einbezogen werden.
Newspaper Innovation: 20 Minutos editor cuts own salary (9. März)
Dank dieser persönlichen Opferbereitschaft wirkt er überzeugender als Norbert Neininger, Verleger und Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten, der guter Dinge ist und in einem Interview sagt, jetzt sollte der Staat eingreifen und die Verleger finanziell unterstützen, etwa durch Aufhebung der Mehrwertsteuer für Zeitungen:
www.persoenlich.com: “Wir müssen der Presse Sorge tragen” (10. März)
Von eigener Opferbereitschaft also keine Rede – geschweige denn von der harten Arbeit, welche Roger Schawinski fordert. Sie ist Voraussetzung, um sich jene Excellence – also Vorzüglichkeit – zu bewahren bzw. zu erwerben, welche die NZZ einst hatte, dann aber fahrlässig faul verspielte. Nein, so geht es nicht…
Roger Schawinski/blog. persönlich.com: So lügt man sich in die eigene Tasche (10. März)
3 Medienleute – 3 Lösungsansätze zur Bewältigung der Krise. Unsere Auslegeordnung: Härter arbeiten (Schawinski), den Gürtel enger schnallen (Escolar) – und dann wäre unsereins – sofern tatsächlich Excellence (⇒ geistige Nahrung mit Nährwert*) geboten wird – für eine moderate Senkung des Mehrwertsteuer-Satzes für Zeitungen zu haben. Man ist ja kein Unmensch!
*Anmerkung:
Wie hiess es doch damals so rührend in der Stellungnahme der Schweizer Presse (27. Juli 2007, PDF) zur Vernehmlassungsvorlage zur Vereinfachung des Bundesgesetzes über die Mehrwertsteuer:
Lebensmittel als körperliche und Lesestoff als geistige Nahrung zählen beide zum Grundbedarf der Bevölkerung, der einen Sondersatz der Versteuerung rechtfertigt, welcher auch künftig beibehalten werden soll.
By Eric at 1:37 pm CET | Category: Backyard, Linktips
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March 10, 2009
falsche Freundin
Faith Whittlesey, ehemalige US-Botschafterin in der Schweiz und Trägerin der Reagan Revolution Medal of Honor, in «Die Schweiz spielt eine bedeutende Rolle» (Tages-Anzeiger, 10. März).
Prima vista eine Art Liebeserklärung (an die Schweiz), auf den zweiten Blick ein böses Obama-Bashing. Wie wir die Chronologie der Ereignisse verstehen, wurde das John-Doe-Mahnverfahren gegen die UBS im Juli 2008 eingereicht; richtig ist allerdings, dass die etwas brachial eingeforderte Herausgabe der Bankdaten von rund 250 mutmasslichen amerikanischen Steuerbetrügern Mitte Februar und die fast gleichzeitig eingereichte Klage des US-Justizdepartements in die Ära Obama fallen -
- aber summa summarum wurde unter Präsident Bush aufgegleist, was besonders kluge Köpfe (
) in der Schweiz nun als Wirtschaftskrieg USA vs. Schweiz herumtrompeten. Und wir erinnern in diesem Zusammenhang an dieses Portrait von Douglas Shulman, dem von George W. Bush berufenen Commissioner of Internal Revenue, auf baz.online (23. Februar):
… ehe wir nun lesen, was ein amerikanischer Anwalt in Steuerfragen, Mister George Clarke III, in einem Interview – übertitelt mit UBS Settlement Not a Complete Victory for Feds, Says Tax Lawyer (THEAMLAWDAILY, 19. Februar) – auf die Frage: How would you rate this agreement on UBS’s part? Do you think this is a good outcome for them? antwortet:
Oh yeah, it’s a very good outcome. They’re now essentially clean. Really the only thing that’s teed up in the John Doe summons case is Swiss law and the question of whether a U.S. court can compel a third party to essentially violate it’s own law – in this case Swiss law – to comply with a U.S. court proceeding. And there’s case law on this. So that’s really optimal for UBS and I think their counsel did a great job in getting them to where they are.
Natürlich ist Mister George Clarke III Partei und er betont, dass auch er den Ausgang des Verfahrens gegen die UBS nicht voraussagen kann – aber insgesamt hinterlassen seine Worte bei uns im Minimum den Eindruck, die USA seien ein zivilisierter Rechtsstaat (
) und die UBS sei drüben bessser dran, als uns der Rudeljournalismus in der Schweiz suggerieren will -
- ein Rudeljournalismus, der alles Interesse daran hat, die (= seine) Scheisse am Kochen zu halten (> Auflage bzw. Klick-Rate) – eine Scheisse, gewürzt mit einer gehörigen Brise Antiamerikanismus und dank Frau Alt-Botschafterin Faith Whittlesey nun auch mit einer gehörigen Brise Obama-Bashing.
Disclaimer: Wir sind Freunde der USA und (kritische) Obama-Fans.


