December 15, 2008
Schweiz / Presselandschaft: Bund für ‘Bund’
Die Berner Tageszeitung Der Bund (Erstausgabe: 1. Oktober 1850) wird – wie auch die Berner Zeitung (BZ) – von der Espace Media Groupe herausgegeben. Letztere wurde 2007 von der Tamedia AG übernommen (80% des Aktienkapitals, Kaufpreis 205 Mio Schweizerfranken). Die Wettbewerbskommission (Weko) hatte die Übernahme bewilligt, da der Wettbewerb – so die Weko – gewährleistet bleibe.
Der Bund ist allerdings ein Fass ohne Boden: Der aufgelaufene Verlust der letzten zwölf Jahre beträgt mehr als 30 Millionen Franken, schreibt die Tamedia AG in einer Medienmitteilung vom 1. Dezember, in welcher sie auch zwei (alternative) Projekte zur Weiterentwicklung – sprich: Sanierung – der beiden Berner Tageszeitungen ankündigt. Detail am Rande: Uli Rubner (Website) wird im Januar 2009 Verlagsdirektorin ad interim bei beiden Zeitungen werden, kehrt also wieder zur Tamedia AG zurück, von der sie sich im April 2008 in die Selbstständigkeit verabschiedet hatte*.
Kurz zusammengefasst: Die Presselandschaft Schweiz leidet – wie auch der Bankenplatz Schweiz – an Überkapazitäten. Und wie so manche Bankfiliale ist auch Der Bund letztlich vorig (im Sinne von: des Guten zu viel). Und die Tamedia AG steht nun unter Zugzwang – in einer für sie eh schon höchst schwierigen Zeit, wie ein aktueller Seitenblick zum SWISS MARKET INDEX (SMI): Tamedia N, Valor/ID: 1117825 auch heute wieder bestätigt, und sieht sich jetzt gar noch moralisch unter Druck gesetzt…
… hat sich doch kürzlich ein Komitee – eine Art Bund von Berner Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft – gebildet, welches sich dafür einsetzt, dass Der Bund im Strudel von Restrukturierungen und Sparmassnahmen nicht zerstückelt wird:
Komitee Rettet den Bund: Petition.
Weihnachten, die Zeit der Wünsche steht vor der Türe. Die Petition kommt also zum richtigen Zeitpunkt… Erinnert sei in diesem Zusammenhang (Stichwort: Umwälzungen in der Berner Mediengeschichte) ermutigend und tröstend noch an die Zeitschrift Brosamen von des Herrn Tisch. 1888 von Franz Eugen Schlachter gegründet, wurde sie 1965 mit Der Heilsbote zur Zeitschrift Wort und Werk (später: wort + wärch) fusioniert – lebt also immer noch, wenn auch in anderer Gestalt.
*Anmerkung: Hoffen wir, dass das Südtirol-Verlagsprojekt ihres Lebenspartners Kurt W. Zimmermann, Medienkolumnist der Weltwoche, Unternehmensberater und langjähriges Kadermitglied der Tamedia, davon nicht (leidend) tangiert wird.
Bild: Der Bund-Erstausgabe vom 1. Oktober 1850 (von Wikipedia)


