November 18, 2008
Schweiz/Politik/Rückblick: Ein Nachtrag zu den gefährlichen Liebschaften
Selbstverständlich darf man gegen die geplante Einführung des biometrischen Passes sein, und es ist ein demokratisches Recht, dagegen das Referendum zu ergreifen…
Gieri Caveltys Artikel im Tages-Anzeiger hat zu einem Sturm der Entrüstung in Teilen der Swiss Blogosphere geführt. Amüsant zu lesen, wie da und dort nun die Verschwörungstheorien quasi umgekehrt werden.
Wir haben den Artikel gestern verbloggt; der erwähnte Sturm der Entrüstung war uns zu diesem Zeitpunkt – in Teilen – bekannt. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass Caveltys Artikel wichtig war – vielleicht hätte er die Rolle der Anti-Genozid-Partei (AGP) stärker relativieren sollen. But, so what…
Im Referendumskomitee sind Kräfte vertreten, mit denen unsereins nichts am Hut haben möchte. Wölfe im Schafspelz, welche sich nun gerne inmitten zeigen. Wie wir im kommenden Mai abstimmen werden, geben wir hier nicht bekannt. Aber wir outen uns gerne dahingehend, dass wir uns nie in ein Komitee mit Leuten begeben könnten, welche Grussbotschaften eines Karl-Heinz Strache veröffentlichen.
Wer Caveltys Artikel wichtig findet – wie wir – steht gemäss diesem Sturm der Entrüstung irgendwie naiv in der Landschaft… Von mir aus! Der Zweck heiligt für uns nun mal die Mittel nicht, und im Getöse der Internetpropaganda sich um Trennschärfe wenigstens zu bemühen, ist uns wichtig. Enttäuschend, sehen zu müssen, wer alles aus der Swiss Blogosphere sich an diesem Cavelty-Bashing beteiligt, das streckenweise schon fast blindwütige (paranoide) Züge annimmt.
Abschliessend sei bemerkt: Auf die Problematik der Zusammensetzung dieses Referendumskomitees wurde andernorts schon früher hingewiesen – beispielsweise hier: Warum sich Lukas Reimann mit einer Sekte einlässt (Blog von Michael Jäger, 8. September).
Link-Collection:
- Überparteiliches Referendumskomitee gegen Biometrische Schweizer Pässe und Identitätskarten, dort zu finden: Anti-Genozid-Partei und Patriot.ch
- Journalistenschredder… Tagesanzeiger verachtet Demokratie (Vorsicht: Titel sehr tendenziös) (blogdessennamenmansichnichtmerkenkann, 15. November)



“sturm der entrüstung” ist aber auch ein wenig überkandidelt, imho. oder habe ich irgendwo, irgendwas überlesen? was mich persönlich an diesem artikel leicht genervt hat, ist das verhohnepiepeln von mehr oder weniger 63′000 unterzeichnern eines referendums.
Okay – gestehe mir zu, dass mir nun einfach unwohl ist. Ich sage es offen: Mit unheimlichen Patrioten würde ich mich nicht einlassen. Das Alter, die Muttermilch – ich weiss nicht, warum ich es schaffe, sogar bei 63′000 UnterzeichnerInnen NICHT überwältigt zu sein.
Naiv bin ich, wahrscheinlich. Was bin ich naiv!
Aber das klingt auch gehörig überkandidelt. Nun sage ich dir nochmals ganz trocken das, was ich hinschrieb: Der rechte Sumpf ist nun mal keine Referenz für unsererseits.
Jedenfalls nageln wir mit Sicherheit keinen Cavelty irgendwo hin!
Fakt ist, bis heute ist unklar, wer, wie, wo, was innerhalb dieses “Kommitees” genau welcher Gruppierung zuzuordnen ist. Fakt ist ausserdem, das Referendum ist zustande gekommen (unter anderem dank meiner an einem lauen Samstagmorgen auf dem Gemüsemarkt abgegebenen Unterschrift).
Und jetzt bittesehr, wünsche ich mir einen aufgeklährt-demokratischen Dialog über dieses Thema. Unheimliche Patrioten und Verschwörungstheoretiker interessieren mich in diesem Zusammenhang höchsten noch als Randerscheinung.
Ugugu, ich schrieb doch: Man darf das Referendum gegen den biometrischen Pass ergreifen.
Ich führe jetzt hier keinen aufgeklärt-demokratischen Dialog. Stichwortartig halte ich – gewissermassen aus staatsbürgerlicher Perspektive und als Blogger – aber fest:
(1) Meinungsfreiheit UND PRESSEFREIHEIT. Cavelty darf diesen Artikel schreiben, der Tages-Anzeiger ihn veröffentlichen.
(2) Man darf diesen Artikel kritisieren – man darf darin nach dem berühmten Haar in der Suppe suchen.
(3) Glaubt man, ein solches Haar gefunden zu haben, darf man das auch in seinem Blog veröffentlichen.
(4) Im Bloggen über (3) sollte man Augenmass bewahren. Ich schätze mal, dass zwei Sätze langen, um diese Kritik zu formulieren. Oder dann halt vier Sätze.
Was aber “da drüben” (nicht nur bei dir) zu Cavelty abgegangen ist, das ist eine Art rhetorische Lawine. Irgendwo beginnt sie – wie ein Schneebrett – und wächst zu einer Dimension heran – MAN FASST ES NICHT! Da geht es plötzlich um den Menschen Cavelty, um den Tages-Anzeiger, die Tamedia, das Ausbildungszentrum für Journalisten usw. usw.
Und da passt es auch prompt dazu, dass hier ein aufgeklärt-demokratischer Dialog eingefordert wird…
Und jetzt das Emotionale meinerseits: Mensch Ugugu, komm runter, erde dich. Du willst doch nicht etwa bloss Aufmerksamkeit und Kommentare bolzen..? So würde dann die Blogosphere endgültig an die Wand gefahren werden. Das liest niemand mehr “ausserhalb”; man schüttelt nur noch den Kopf.