November 17, 2008

Schweiz/Politik/Rückblick: Deux liaisons dangereuses

Helvetia

Im Bett mit Francesco Juilland

Man hätte es der 49-jährigen Tessiner SP-Staatsrätin Patrizia Pesenti gegönnt, wenn sie in Francesco Juilland – Kandidat der rechtspopulistischen Protestpartei Lega dei Ticinesi für die Eidgenössischen Nationalratswahlen 2007 – endlich einen Partner auf Dauer gefunden hätte. Doch das Schicksal wollte es anders. Francesco Juilland sitzt seit einigen Tagen in Untersuchungshaft. Die Rede ist von Betrug, Hochstapelei und Geldwäscherei. Die Medien berichteten – so auch Blick Online. Im Artikel wird ein im Internet veröffentlichter Juilland-Lebenslauf erwähnt:

The Internet Movie Database: Biography for Francesco Juilland.

Für Freunde von Köpenickaden wohl ein echtes Filetstück. Ob die Biografie tatsächlich von Juilland oder von Leuten seines Umfelds geschrieben wurde, bleibe dahingestellt.

Im Komitee mit der Anti-Genozid-Partei

Frau Pesenti distanzierte sich inzwischen von ihrem Lover. Ebenfalls distanziert hat sich SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer – und zwar vom Komitee für das (erfolgreiche) Referendum gegen den biometrischen Pass. Als Gegnerin des biometrischen Passes hatte sie dem Komitee erlaubt, ihren Namen auf der Website des Komitees zu veröffentlichen. Nun wird immer deutlicher, dass in diesem Komitee dubiose Kräfte federführend werkelten und werkeln – die Rede ist von einer Anti-Genozid-Partei, welche in den RFID-Chips ein Instrument Satans sieht, das von einer kleinen Elite dazu verwendet werden wird, um die Christenheit auszurotten:

Wenn die «Anti-Genozid-Partei» Politik macht (Tages-Anzeiger, 14. November)

Nebenbei bemerkt: Aufhorchen im Tages-Anzeiger-Artikel lässt der Name Oskar Freysinger (SVP). Freysinger stehe – wie auch der Grüne-Nationalrat Geri Müller – grundsätzlich unorthodoxen Erklärungen für den Anschlag auf das World-Trade-Center offen gegenüber… Aber, um alle Missverständnisse auszuschliessen: Wir werfen den mutmasslichen Kriminellen Juilland und den strammen SVP-Rechten Freysinger NICHT in den selben Topf. Uns geht es in diesen Zusammenhängen nur um die genannten Frauen und ihr Verhältnis zum Internet ( :cool: ):

Ein wenig Surfen – sowohl im Fall von Francesco Juilland als auch des Referendumskomitees – hätte genügt, um mehr als nur misstrauisch zu werden und sich – sowohl im Fall von Patrizia Pesenti als auch von Susanne Leutenegger-Oberholzer – rechtzeitig einige Peinlichkeiten zu ersparen.

PS: Letztlich ist es aber auch nicht das Dümmste, über diesen eidgenössischen Schmarren herzhaft zu lachen!

Bild: Helvetia (auf dem 2-Fränkler), die Herde ihrer Töchter betrachtend

By Gris-Gris at 2:12 pm CET | Category: In Flagranti
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10 Responses to “Schweiz/Politik/Rückblick: Deux liaisons dangereuses”

  1. Matthias says:

    “federführend”? Wo genau?

  2. Gris-Gris says:

    Solltest du so ein Ständli betrieben haben, wie hier im Zeitungsausriss sichtbar:

    http://tinyurl.com/6z8jox

    bin ich gerne bereit, dich auch unter die Federfuchser… äh, Federführenden aufzunehmen.

    Ja, ich weiss: Cavelty schreibt, das Referendum sei “massgeblich durch Verschwörungstheoretiker zustande gekommen…” Das glasklar zu belegen, das dürfte eher schwierig sein. Gebe ich zu.

  3. Matthias says:

    Ja, den FDP-Jäger hab ich grad gelesen und kommentiert. Ihr seid beide schlecht informiert. Die komische Partei ist gar nicht im Komitee vertreten, weder federführend noch sonstwie. Aus dem aktuellen Newsletter des Referendumskomitees:

    “Der Tagesanzeiger hebt ebenfalls die Anti Genozid Partei hervor, welche mit unserem Komitee nichts zu tun hat, sondern unabhängig von uns viele Unterschriften gesammelt hat und somit zum Gelingen des Referendums genauso beigetragen hat wie andere Unterstützergruppen auch. In diesem Sinne verzerrt der Tagesanzeiger den Sachverhalt, indem er von mehr als 80 Unterstützern eine einzige Gruppierung hervorhebt und damit das ganze Referendum und dessen Unterstützer in die Ecke von Verschwörungstheoretikern drängt.”

  4. Gris-Gris says:

    “… Anti Genozid Partei hervor, welche mit unserem Komitee nichts zu tun hat, sondern unabhängig von uns viele Unterschriften gesammelt hat.”

    Jawoll – nur sehe ich immer noch den AGP-Banner auf der Komitee-Seite. Einverstanden – mag nicht im Komitee sein. Aber “viele Unterschriften gesammelt” – da hätten wir schon eine erste Bestätigung. Also “federführend” geht jetzt gleich durch.

    Ehrlich gesagt – das alles ist derart unappetitlich mit diesen Hass-Gruppen “im Umkreis” dieses Komitees, das ich mir z’leid diesen Biopass aufhalse. Hoffentlich kommt er! :cool:

    Ich habe übrigens schon einen RIFD-Pass – aber nicht von Switzerland.

    Ach, komm!

  5. Gris-Gris says:

    Jetzt muss ich noch was nachschieben: Warum nicht möglichst Fälschungs-sichere Pässe einführen? Ich reise mit meinem RIFD-Pass nun ein, wie das Messer durch die warme Butter, während vorher immer minutenlang eingetippt wurde… Liegt wahrscheinlich an meiner Face.

    Die Big-Brother-Problematik ist mir bewusst. Damit lassen sich leider auch Seelen fangen, das es klöpft! Ich persönlich wäre eher daran interessiert, dass kluge Leute mich aus dem Big-Brother “UBS” befreien. Durch diesen Brother fühle ich mich gewaltig in Geiselhaft genommen…

    Aber, dank unseren Pubertierenden in der Sphere wird unser pubertärer Freiheitsraum immer grandioser. Nageln wir doch gemeinsam mit diesen noch einige Journalisten ans Kreuz.

  6. Gris-Gris says:

    Sorry, das heisst ja RFID, Radio Frequency Identification. AGP könnte ja auch Accelerated Graphics Port abkürzen…

    Hat mich der Satan schon in seinen Klauen?

  7. Matthias says:

    “Das Prinzip ist so simpel, dass es jeder Viertklässler beherrschen könnte: Man ortet den Mainstream der veröffentlichten Meinung und schreibt das Gegenteil.”

    Schreibt Roger Schawinski über die Weltwoche. Hätte er aber auch über diesen Blog schreiben können, wenn er ihn kennen würde.

  8. Gris-Gris says:

    Das Gute – dieser Satz steht fest -
    ist stets das Böse, was man lässt!

    Wilhelm Busch (Die fromme Helene, 1872)

  9. Gris-Gris says:

    Also, jetzt hab ich noch die Zeit gefunden… Obwohl sich nach deiner mechanistischen Einschätzung unserer “publizistischen Linie” eine Antwort eigentlich erübrigt.

    Yup – da kommt doch deinerseits auch eine Art von Werthaltung zum Vorschein: Man darf halt nicht abweichen, sondern muss im Pulk der selbstgnädigen Demokraten blindwütig mitlaufen. Eben, der Zweck heiligt die Mittel.

    Wir haben uns nicht gegen das Referendum(srecht) geäussert, sondern uns gewundert, wer sich mit wem auf dieser Website präsentiert. Ich mache hier jetzt keine Politdiskussion auf, sondern wiederhole: WIR könnten das nicht. Da sind wir halt zu empfindlich zu, oder was weiss ich.

    In Tages-Anzeiger–Leserbriefen lese ich nun sinngemäss: Es sei ein (pragmatischer) Schulterschluss von verschiedensten Kräften, welche sich gegen den biometrischen Pass wehrten… Von mir aus! Aber meine “Hochachtung” gegenüber jenen Leuten, die ich schätze, hat dieser Schulterschluss nicht befördert. Sie hätten getrennte Wege gehen sollen auf das gleiche Ziel zu (Referendum).

    Diese Meinung darf man doch haben – oder?

    Eigentlich wollten wir es bei einem Eintrag (zu Patrizia Pesenti und Susanne Leutenegger-Oberholzer) bewenden lassen – wäre da nicht diese völlig masslose Reaktion auf Caveltys Artikel in Teilen der Blogosphere gewesen. Sie war für mein Empfinden schon nahe an einer virtuelle Kreuzigung, und da bin sogar ich, der die Blogosphere nun seit über 4 Jahren “gewohnt” ist, erschrocken:

    Da wird doch wohl einer noch so einen Artikel schreiben dürfen, ohne dass er nicht gleich derartig – mit Verlaub – zur Sau gemacht wird! Es gibt Meinungs- UND Pressefreiheit. Imho hat Cavelty – ich schrieb es schon – vielleicht Akzente falsch gesetzt, sogar zwei, drei Sätze unglücklich formuliert – aber ich halte seinen Artikel grosso modo für informativ und wichtig.

    Und insgesamt: Da wird mit Huronengebrüll ein Journalistlein niedergemacht, da ist man seinen Ausführungen gegenüber empfindlich bis zum Gehtnichtmehr. Und wehe, wir äussern unser Unwohlsein (siehe oben, siehe die Einträge!), auch unsere Enttäuschung über Leute – ABER OHNE JEDE DIFFAMIERUNG! -, dann steht schon der nächste Mainstream-Siegertyp im Thread und diffamiert einen ohne jedes Feeling für irgendwas.

    Dir gehts ja nicht mehr, Matthias! :cool:

    Grüsse

    PS: Da du ja Roger Schawinski persönlich zu kennen scheinst, frag ihn doch bitte mal zu unsereins. Vielleicht findet er drei Minuten Zeit und schaut hier aufm Blog vorbei.

  10. Matthias says:

    Klar, mach ich! Und Du grüss mir den Wilhelm Busch. Vielleicht schreibt er mir auch mal was ins Poesiealbum!



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