November 10, 2008
Schweiz – entlarvt: Mythos Bankgeheimnis (und auch die Weltwoche?)
Johannes Köppel, Student, Genf, in: CIA überwacht Bankzahlungen von Schweizern (Tages-Anzeiger, 10. November):
Ein Teil der Daten des angeblich sicheren inländischen Zahlungsverkehrs in Schweizerfranken fliesst somit zuerst durch das Swift-Netzwerk und landet auf amerikanischen Servern, bevor sie beim Swiss Interbank Clearing ankommen.
Siehe auch:
SF Tagesschau: Bankdaten sind für die USA offenes Geheimnis (10. November)
Paperholic Blitzkommentar:
Das Etikett Schreiben, was ist wird von Roger Köppel – Verleger und Chef der Zürcher Weltwoche – gerne für das eigene publizistische Schaffen reserviert. So schreibt man dann schon mal im Zusammenhang von Schweiz – Finanzkrise – Rezession: La crise n’existe pas! (und ähnlichen Unsinn). Und man macht sich stark für die Schweiz und ihr Bankgeheimnis, lässt zu diesem Thema Fachleute zu Wort kommen, welche wortreich erklären, warum dieses Geheimnis segensreich ist für den hiesigen Finanzplatz – ja, im weiteren Sinne sogar ein Menschenrecht garantiert.
Und logisch, dass der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück dann als vertragsbrüchiger Hans-Dampf gewürdigt wird, den man nicht allzu ernst nehmen sollte. Schliesslich gibt es in Steuerfragen auf mehreren Ebenen Verträge zwischen der Schweiz und der EU bzw. der Bundesrepublik Deutschland. Und: Pacta sunt servanda…
Doch es geht uns hier nicht um Steinbrück vs. Schweiz – sondern um einen Kalauer: Köppel und Schreiben, was ist…
Ein anderer Köppel – er heisst Johannes zum Vornamen, ist Student und 26 Jahre alt – veröffentlicht im Zürcher Tages-Anzeiger einen Artikel zum Thema Schweiz und Bankgeheimnis, welchen man fast schon als sensationell bezeichnen kann: Schweizer Bank-Daten landen auf US-Servern, auch wenn es sich nur um Daten aus dem inländischen Zahlungsverkehr (in Franken) handelt. (Auch deshalb landen sie dort, weil viele Schweizer Banken ihr Informatiksystem zwecks Einsparung von Kosten – wie es im Artikel sinngemäss heisst – höchst löchrig getunt haben.)
Johannes Köppel stellt in seinem Artikel (Print-Ausgabe) die Frage: Kann das 1934 entstandene Bankgeheimnis überhaupt noch eingehalten werden? Zur Beantwortung dieser Frage zitiert er ein Mitglied der Nationalbankdirektion, welches sagt, das Bankkundengeheimnis sei heute nur noch dann gewährleistet, solange das Geld in derselben Bank bleibt. Sobald eine Transaktion vorgenommen wird, könne eine Bank das Bankkundengeheimnis nicht mehr garantieren…
Solche Sätze kommen dem, was ist, doch schon um einiges näher. Und sie entlarven viele Argumentationen in der Weltwoche als leeres Geschnatter: Hochgehalten wird dort etwas, das eigentlich nur auf dem Papier existiert, nicht aber in der Praxis. Man argumentiert also mit und über einen Mythos – den Mythos Bankgeheimnis. Und hat das nicht etwas Naives, Idealistisches – ja, Gutmenschliches an sich..?
Aber lassen wir diese Frage offen, und beenden wir diesen Eintrag konsequent (mit Kalauern): Wenn zwei Publizisten Köppel heissen, dann sollte man hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit auch die Vornamen in Betracht ziehen: Johannes vs. Roger. Um zu schreiben, was ist: Johannes tönt irgendwie vertrauenswürdiger. Imho!
Update (some bits later):
Okay, wir bleiben dran und sammeln auch Gegenmeinungen…
- Hose&Dose: Wenn Studenten Primeure schreiben – Der TA und das Bankgeheimnis (10. November)
- Paperholic: Update: Schweiz – Mythos Bankgeheimnis (11. November)



Die Schweiz: bald mehr Schrottplatz als Bankplatz. Imho!
“peerbrugg” verdient als Kalauer durchaus Beachtung.
Ja, die Luft wird dünner… Aber es gibt hierzulande doch auch noch Mythen mit Bestand:
http://www.mythen.net/
Schreiben, was ist!
[...] Denn der Rest der Schweiz liest unkritisch mit. Siehe dazu auch, und, aber auch [...]