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June 2, 2008

Paperholic Montagsgrantler: Na, servas – was für seltsame EURO 08-Partner!

Montägliche Nachbetrachtungen zu Abstimmungswochenenden sind erfahrungsgemäss unergiebig. Vor allem, wenn man noch unter leichten Schwindelgefühlen leidet vom Feiern am Vorabend. Und zu feiern gab es viel, hatte doch die Schweizerische Volkspartei SVP auf der ganzen Linie verloren.

Absage an Scharfmacher titelt Peter Hartmeier seinen Kommentar im heutigen Zürcher Tages-Anzeiger und schreibt, die SVP habe mit ihrer Abstimmungskampagne und dem vom Partei-Zentralvorstand beschlossenen Ausschluss der Bünder Kantonalsektion jene Mehrheit der Stimmenden herausgefordert, die sich eine schweizerische Tugend in der Politik zurückwünschen: den Willen und die Fähigkeit zum Kompromiss. Auch in der Ausländerpolitik…

… und das Stichwort Ausland löckte einen mittags dann halt doch trotz Kater zu einer virtuellen Nachbetrachtungs-Tour – naheliegenderweise zu einer Tour durch die Online-Medien unseres EURO 08-Veranstaltungspartners.

Bundesadler Austria

Unergiebig, denn leider kam Schreibender dann nicht weiter als bis zum Kommentar-Thread des Artikels Abfuhr für Blocher-Partei bei Schweizermacher-Votum (Die Presse, 1. Juni). Denn dort wurde ihm noch schwindliger, als er sinngemäss mehr als ein Mal las, nun werde die Schweiz bald eine islamische Republik sein, und was die Schweizer doch für Dödel seien, weil sie sich eben ihres direkt-demokratischen Rechts, über die Einbürgerung von Ausländern persönlich an der Urne entscheiden zu können, selber beraubt und den Ausländern gar noch – Gipfel der Verblödung und Entfremdung! – ein Rekursrecht im Ablehnungsfall zugebilligt haben.

OOPS-A-DAISY!

Im Nachgang das Stimmvolk quasi als blödes Stimmvieh hinstellen und sich selber gleichzeitig einen Demokraten schimpfen – so eine Selbstsicht und Auffassung von Demokratie lassen einen (1.) beim Perversionsvergleich geradezu an Josef Fritzl denken; und klar, dass man sich (2.) eingesteht: wäre diese Initiative angenommen worden – bei österreichisch klingenden Namen hätte man später kaum ein Ja zur Einbürgerung verantworten können; und schliesslich (3.) erinnert man sich wieder der Geschichte. Nein, nicht der grossen österreichischen, etwa der mit dem Dolferl, nur einer kleinen persönlichen:

Schreibender sass dereinst an einem lauen Sommerabend in einem Beisl am Donaukanal in Gesellschaft einer auch nicht mehr ganz jungen, will heissen: durchaus in Innenpolitik und Folklore erfahrenen österreichischen Journalistin und schwärmte eben vom schweizerischen Initiativ- und Referendumsrecht, als ihn sein Gegenüber abrupt unterbrach mit der Bemerkung:

Naaa, des wär nix für uns! Wenn des heut in Österreich einführst, hama morgen wieder die Todesstraf in unserem schönen Land.

Und schon damals dachte man sich: Na, servas!

Bild: Bundesadler der Initiative Österreich zeigt Rückgrat, der nach Meinung des Strafamts des Stadtmagistrats Innsbruck das Ansehen der Republik Österreich beeinträchtigt.

By Gris-Gris at 6:23 pm CET | Category: Backyard, In Flagranti
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