January 28, 2008
Wandel der Modalitäten
»Das Internet erlaubt heute, physisch in der familialen Intimgemeinschaft präsent zu sein, aber geistig und emotional sich in einem möglicherweise international besetzten Chat-Room aufzuhalten (Logemann/Feldhaus 2002). Ähnlich ärgerlich wie diese Durchbrechung der vollständigen Integration in der familialen Primärgruppe ist die Verletzung urbaner Verhaltenscodes, wenn z.B. Handynutzer und Obdachlose ihre Privatangelegenheiten in die Öffentlichkeit tragen. Der Handynutzer macht die distanzierte Gleichgültigkeit des Simmel’schen Grossstädters zunichte, indem er Geschäfts- und Familienangelegenheiten lautstark zu Gehör bringt, wo keiner davon etwas wissen will. Der Obdachlose, indem er in einer öffentlichen Anlage schläft, isst, sich wäscht und uriniert, stellt vor aller Augen zur Schau, was in einem langen Prozess der Zivilisation aus dem öffentlichen Raum verdrängt worden war.«
Martina Koll-Schretzenmayr (pdf: Planungswissenschaften in der Schweiz, quo vadis?, DISP 153, 2003, ETH Zürich)
By Gris-Gris | Category: Great sayings
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