January 28, 2008

Schweiz / Qualitätsjournalismus: Verdämmern im Zürcher Schlafsaal?

Der DAX will und will bis jetzt nicht in den grünen Bereich drehen, auch der SMI nicht – die schwachen Vorgaben aus Asien hätten die Stimmung erneut verdorben, heisst es. Und immer deutlicher schwant uns, dass die fröhliche Stimmung der Menschen – zu Beginn der da und dort nun einsetzenden Skiferien 2008 von den TV-Kameras eindrücklich festgehalten – bald einer düsteren Gefühlslage weichen wird.

Irgendwann muss sie ja kommen – die nächste Wirtschaftsflaute. Das ist traurig und spannend zugleich. Spannend, weil diese Flaute dem Qualitätsjournalismus in der Schweiz – angenommen, es gibt ihn überhaupt noch – endgültig das Genick brechen könnte. Insbesondere der NZZ, denn die NZZ-Gruppe gleicht, wie Branchenkenner Kurt W. Zimmermann feststellt, einem Schlafsaal: Die NZZ-Gruppe hat in den vergangenen Jahren so ziemlich jeden Trend im Mediengeschäft verschlafen. Mit der NZZ am Sonntag gelang ein Glückstreffer, doch sonst ist man nirgends dabei, wo die Musik spielt. (- Die S-Liste, Die Weltwoche, Ausgabe 04/08, reg.req.)

Das Verschwinden (Verdämmern) des Berufsstandes der Qualitätsjournalisten in der Schweiz infolge des kommenden Konjunktureinbruchs erinnert uns in diesen ganz vom Börsengeschehen geprägten Tagen an das Schicksal eines anderen ehrenwerten Berufsstandes: an die Parketthändler, in der Schweiz auch Ringhändler genannt.

Entgegen dem noch immer gerne gepflegten TV- und Film-Klischee gibt es die klassischen Parkett- bzw. Ringhändler nicht mehr oder nur noch in Form exotischer Kleingruppen an exotischen Börsen. Denn schon vor vielen Jahren haben elektronische Handelssysteme den Criée-Handel (Zurufhandel) ersetzt. So in der Schweiz, wo er 1996 ganz abgeschafft wurde, so in Deutschland, wo der Aktienhandel heute zu 95 Prozent über Xetra abgewickelt wird.

Nur wenige Alte Hasen unter den Zürcher Ringhändlern schafften damals den beruflichen Übertritt ins elektronische Zeitalter – aber immerhin hat ihr Verein eine Website. Wer diese besucht und einen Computer mit Lautsprecher hat, wird feststellen, dass der Ring – anders als eine Redaktionsstube – als Schlafsaal ungeeignet war…

… und stellt sich bei aller Unterschiedlichkeit beider Berufsstände die finale Frage, ob es schon bald einen Verein ehemaliger Zürcher Qualitätsjournalisten geben wird. Hoffentlich mit eigener Website und realistischem Sound!

Feuilletonistischer Abschluss: The Fisher Account – Video (2002/03, daraus Bild unten) von Ivar Hagendoorn, Choreograf, Autor, Fotograf, Filmer und – laut Selbstbeschreibung – Adventure Capitalist ( :cool: )

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By Gris-Gris at 4:20 pm CET | Category: In Flagranti, Video
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6 Responses to “Schweiz / Qualitätsjournalismus: Verdämmern im Zürcher Schlafsaal?”

  1. Daniela says:

    Noch besteht Hoffnung für die NZZ, wie persönlich.com berichtete (http://www.persoenlich.com/new.....sid=73014). Ob man diese Lösung als Allerheilmittel gegen Schnarchen vermarkten könnte?

  2. Gris-Gris says:

    Michael Ringier: “Die ‘Neue Zürcher Zeitung’ würde sehr gut zu uns passen.”

    Ich sag mal: fein artikulierte heitere Weltuntergangsstimmung

  3. anaximander says:

    “schon bald einen Verein ehemaliger Zürcher Qualitätsjournalisten” Der wäre doch längst fällig. Geh mal die diversen Sonntagserscheinungen durch. Außer gefällten Bäumen nichts dran äh drin. Am Interessantesten ist die Werbung – und selbst die ist in allen Blättchen dieselbe von denselben.

  4. Gris-Gris says:

    Da bin ich jetzt ehrlich (wie eigentlich immer): Jeder eingesparte Auslandkorrespondent ist irgendwie ein Verlust (für mich – für dich?). Natürlich nur abstrakt gesehen.

    So gesehen: ich leide an der Entwicklung. Und es ist die Betriebswirtschaft, welche uns die Heterogenität erschlägt – scheiss Managers!

    anaximander, selbst das Streiten wird dann fad – alles nur noch eingeebnet am Schluss.

  5. anaximander says:

    Volle Übereinstimmung, was die ‘Abschaffung’ von Auslandkorrespondenten anbelangt; die Agenturmeldungen vermögen diese nicht zu ersetzen. Das “Echo der Zeit” gehörte während Jahren zu meinen Lieblingssendungen, damals, da es den Heiner Gautschi noch gab, den H.O.Staub, Erich Gysling, Arnold Hottinger… Heute redet Irene Meier als “Epertin” für den Kosovo, Kroatien, Bosnien, den Libanon, Israel, Dubai, Griechenland, Iran, Irak – und wo sitzt sie? – Im besten Fall auf Cypern, im schlechtesten vor dem TV und schaut Al Jazeera oder Al Manar. – Ach, Gris-Gris, du bringst mich noch zum Heulen. – Naja, die Rüebli sind auch nicht mehr, was sie mal waren…

  6. [...] wurde aufgefunden, das Schicksal der Qualitätsjournalisten mit dem der inzwischen ausgestorbenen Parketthändler / Ringhändler verglichen. Und der Blick deckte auf, dass in Thomas Gottschalks Sendung “Wetten [...]



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