January 24, 2008
Deutschland / Fasching: ‘Gedenken gegen Gaudi’
Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist empört darüber, dass der Faschingsumzug in München am 27. Januar – dem Holocaust-Gedenktag – stattfindet (Presseerklärung, 22. Januar); Josef Schuster vom Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden (IKG) in Bayern spricht von einer Sensibilitätsarmut, die kaum zu übertreffen sei.
Während der ebenfalls für Sonntag terminierte Umzug in Regensburg noch in letzter Minute abgesagt und auf den 3. Februar verschoben wurde, wie Heide Sobotka berichtet (Gedenken gegen Gaudi, Jüdische Allgemeine, 24. Januar, ePaper: Seite 20/pdf), hält man in München am Datum fest und ändert nur die Streckenführung:
Statt am Platz der Opfer des Nationalsozialismus vorbeizuziehen, wo am Morgen noch ein Kranz niedergelegt wird, machen die Narren einen Umweg über den Odeonsplatz zum Siegestor und über die Theresienstraße, ‘um dem besonderen Datum Rechnung zu tragen’. Josef Schuster ist verwundert: Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) will in einem Wagen mitfahren.
Man erinnert sich in diesem Zusammenhang der Worte von Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, welcher dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch Anfang Januar vorgeworfen hatte, einen Wahlkampf fast auf NPD-Niveau zu führen: Wir brauchen scheinbar keine Programme gegen Rechts, sondern Erziehungs- und Ethikkurse für einige Politiker.*
Wie wahr!
*Anmerkung:
Und die Vox populi? Auf shortnews.de, beispielsweise, ist der Tenor der Kommentare eindeutig. Bestnoten erhält, wer sich besonders originell und/oder markant gegen den Zentralrat der Juden in Deutschland zu äussern weiss. Auf Rang 4 mit +85 Punkten liegt momentan Lucky Strike mit den Worten: heul, flenn, schrei, wein, kreisch – kann man die net einfach fesseln, knebeln und irgendwo einsperren..?
Wahnsinn!



Jetzt mal ernsthaft: ich finde es schön, dass man in Deutschland ein lockereres Verhältnis zur Vergangen heit hat, ALLERDINGS finde ich den wachsenden Antisemitismus, dem man das Mäntelchen “bin bloss gegen Israel, nicht gegen die Juden” umhängt, un-er-träg-lich. Das geschieht nicht nur in Deutschland, sondern in zunehmendem Masse auch in der Schweiz – allem Gerede vom Antirassimusgesetz, rsp. von der Antirassismus-Strafnorm zum Trotz. Man mache endlich die Augen auf und tue dasselbe mit den Ohren.
“Jetzt mal ernsthaft…” So war mein Eintrag auch gemeint – ich hoffe schon, er liest sich so.
Ich bin mit deinen Bemerkungen einverstanden (- du weisst aber, dass ich ein Verfechter des “Antirassismusgesetzes” bin).
Faschingsumzug am Holocaust-Gedenktag, in München und behördlich “abgesegnet” – viel dämlicher kann man sich sein Image wohl nicht beschädigen. Ein (zusätzlicher) Aspekt nur, aber auch einer.
Faschingsumzug am Holocaust-Gedenktag – ich bin ehrlich schockiert. Kalendarische Zwänge werden angeführt… Ist tatsächlich keine zeitliche Verschiebung des Umzugs möglich- man hätte dieses Jahr auf ihn verzichten sollen. Auch aus Gründen der Selbstachtung.
Man hätte den Umzug absagen müssen. Doch die Behörden fürchteten sich davor, wie aus den Stellungnahmen hervorgeht; man hätte sie der “Feigheit” bezichtigen können. Soweit scheint man schon wieder zu sein.
Was nun das ARG anbelangt, so stimme ich mit Jositsch überein: nicht das Gesetz ist schlecht, sondern diejenigen, die es anwenden.
Die Politik/Behörde hätte bei einer Absage/Verschiebung des Umzugs die Gelegenheit gehabt, nochmals zu erklären, warum der (nationale) Tag des Gedenkens 1996 durch Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt worden war.
So untergräbt sie die eigene Glaubwürdigkeit, und mir scheint angesichts von Kommentaren da und dort, dass so eine Erklärung dringend nötig wäre. Es ist haarsträubend, was da teilweise “verzapft” wird. Selbst von Leuten, die es “richtig” zu sehen glauben, also für eine Absage des Umzugs sind und dabei ins Feld führen…
… schliesslich sei dieser Holocaust-Tag “nicht nur” ein Gedenktag für die jüdischen Opfer, sondern auch für “Deutsche”, die von den Nazis ermordet wurden.
Eine an sich “richtige” Aussage (den Gedenktag betreffend) – in Form und Inhalt aber eine monströse Perversität. [mir fehlen die Worte]
Es gibt keine Worte, die stark genug wären. – Ich weiss, dass du nicht gerade angetan sein wirst, zu München trotzdem diesen Link
Ich habe kein Problem mit diesem Link. Wie heisst es doch auf Stern Online:
“Womöglich ist die ganze Debatte ja auch nur ein Sturm im Sektglas. Genützt hat er allen. Der Holocaust-Gedenktag ist bekannter als zuvor.”
Schön! Ich vergesse jetzt einfach, was ich so in Threads gelesen habe. War ja nur ein “mikroskopisch-kleiner” Ausschnitt. Und am allerschönsten: das Problem stellt sich ja nur 2008, dann lange nicht mehr.
Also und dennoch – meine grossartige Ansage zum Schluss:
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat – so unsere Meinung – in dieser Frage recht, und wir sprechen ihm hiermit unsere Solidarität aus.
[München kenn ma eh schon - ein weiteres Mal muss ma da ned zu Gast sein. Da sei uns auch die Achse des Guten vor!]
[...] regulaerni Am 27. Januar ist Holocaust-Gedenktag. Es scheint, als würde in breiten Kreise versucht, das Erinnern der Ereignisse, die diesen Gedenktag notwendig machen, auszumerzen. Simone Veil hat [...]