September 24, 2007

Nach Ausfahrt am Sonntag: Bloss biederer Bockmist!

Die kulturellen Konsequenzen sind düster, sie zu beschreiben, erforderte einen Oswald Spenger, meint Andrew Keen, Autor des Buchs Cult of the Amateur. Sein Kurz-Essay mit dem Titel Die Revolution ertränkt ihre Kinder, erschienen im Magazin des Tages-Anzeigers vom vergangenen Wochenende, kann auf www.dasmagazin.ch gelesen und diskutiert werden.

Keens Hypothese, dass das Web 2.0 nicht Freund, sondern Feind der Kreativität ist, lässt uns hinzufügen: … und Blogosphere ist nicht Freund, sondern Verhinderer der Aufklärung. Abermillionen von Informationsschnippsel ergeben in der Summe nicht mehr Information - im Gegenteil, sie heben diese auf.

Bild: Tunnelblick (Unterführung Bahnhof Rapperswil, vorne Velofahrerin):
unterfuehrung

Das hat - behaupten wir kühn - auch grosse Teile der nicht-bloggenden Leserinnen und Leser vergrault, welche zunächst der Blogosphere als angekündigter Gegenöffentlichkeit gewisse Sympathien entgegenbrachten. Der Berg kreisste und gebar eine Maus (Parturient montes, nascetur ridiculus mus. - Horaz). Aber stets gilt die Ausnahme von der Regel: In den USA, beispielsweise, sind brauchbare Bürgerjournalismus-Projekte enstanden als Ersatz für die Lokalpresse, welche das Zeitliche gesegnet hat.

Bundesrätin Micheline Calmy-Rey hat auf dem diesjährigen Verlegerkongress, hinsichtlich der Rolle der professionellen Medien erklärt, in der Flut von Informationen brauche es Landkarten, Höhenmesser und Kompasse. Das sehen wir auch so, und wir nehmen auch unter Zustimmung zur Kenntnis, was Verleger Michael Ringier in einem taz-Interview (15. September) auf die Frage

Der Auftrag einer freien Presse ist Kritik und Kontrolle. Kann das die Zeitung in Zukunft noch leisten?

geantwortet hat:

Da hat sie ihren Platz, und den muss sie auch halten. Das könnte auch das Fernsehen leisten, nur anscheinend ist es da nicht gewünscht. Im Internet wird zwar wahrscheinlich mehr kritisiert als in allen Zeitungen zusammen, aber kein Schwein interessiert das. Da gibt es Blogs und persönliche Homepages und weiss der Teufel was. Das findet aber niemand. Und deswegen werden wohl in Zukunft die Zeitung und die Zeitschrift diesen Platz stark für sich beanspruchen.

Bleibt die Frage, warum Bloggerkolleginnen und -kollegen, denen man Intelligenz und Integrität zutraut, dem Mythos von der Blogosphere als relevanter Gegenöffentlichkeit bzw. dem Mythos von der Unfähigkeit der professionellen Medienmacher konsequent verfallen bleiben. Wir lassen die Frage unbeantwortet - es interessiert eh kein Schwein, wie Michael Ringier sagte…

Bild: Kein Schwein, sondern eine Kuh (nahe Schmerikon):
kuh

… und schliesslich hat Schreibender noch Kopfweh vom gestrigen Tag der umweltfreundlichen Mobilität. 6 Stunden an der prallen Sonne ohne Velohelm - ein gravierender Fehler! Von dort die hier eingestreuten Fotos.

By Gris-Gris | Category: Backyard, Linktips
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