August 15, 2007
Media: Die Schweiz im Fadenkreuz ausländischer Berichterstattung (II)
Heute: Jürgen Dunsch (Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ)
Ja, momentan brummt die Wirtschaft in der Schweiz, und richtig ist auch, dass es Beschäftigungszuwachs gibt, da und dort sogar Arbeitskräftemangel herrscht. In der Folge schreiben Leitartikler in so genannt renommierten (liberalen) ausländischen Zeitungen gerne Lobeshymnen und darin beispielsweise Sätze wie diese (Jürgen Dunsch, 31. Juli, FAZ: Arbeit für alle in der Schweiz):
Was in anderen Staaten vielfach nur mit Mühe gelingt, schafft die Schweiz anscheinend spielend: niedrige Arbeitslosenzahlen bis hin zum beschäftigungspolitischen Idealzustand der Vollbeschäftigung. 2,5 Prozent betrug die Arbeitslosenquote im Land zur Jahresmitte. In der agrarisch geprägten Innerschweiz und in der Tourismusregion Graubünden liegen die Werte sogar nur zwischen 0,9 und 1,2 Prozent.
Uns ist – anders als offenbar Dunsch – die Fähigkeit zum Schwärmen seit dem Teenager-Alter verloren gegangen. Lesen wir 2,5 Prozent Arbeitslosenquote, dann denken wir ganz nüchtern an das Faktum, dass in den ersten fünf Monaten dieses Jahres über 12′000 Menschen ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld verloren haben, d.h. ausgesteuert wurden, nun von der Sozialhilfe leben und statistisch nicht mehr als Arbeitslose erfasst werden. Der Basler Sozialforscher Daniel Aeppli meint denn auch, dass die aktuelle Schweizer Arbeitslosenquote 3,5 statt 2,5 Prozent beträgt.
Das ist aus deutscher Sicht immer noch sensationell tief; auch ist Jürgen Dunsch für die offizielle (geschönte) eidgenössische Arbeitslosen-Statistik – vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verbrochen und auch von den heimischen Medien gerne kolportiert – nicht verantwortlich. Dennoch: Die FAZ-eigene Werbebotschaft sollte korrigiert werden und neu lauten: Dahinter steckt immer ein nur zu 99 Prozent kluger Kopf.


