July 27, 2007
Tour d’horizon: Von PresseCitron bis Logcut oder Kann ein Blog-Profi Schrillmacher dereinst die Zahnarzt-Rechnung bezahlen?
Mais le marché mûrit et une ébauche de modèle économique se fait jour. Les blogueurs qui tirent des revenus de leur activité se multiplient. Ils seraient ainsi quelques-uns à gagner jusqu’à 1′000 ou 2′000 euros par mois, schreibt Alexandre Debouté (12. Juli, strategies.fr) in einem Artikel, dessen Titel als Frage formuliert ist: Peut-on vivre de son blog?
Unsere Zusatzfrage: Et peut-on vivre de 2′000 euros par mois en Suisse?
Na ja, für eine Alleinstehende/einen Alleinstehenden bewegen sich 3′200 Schweizerfranken schon annähernd im sozialamtlichen Existenzminimum-Bereich. Allerdings, wenn eine Zahnarzt-Rechnung fällig ist, kann die im Sozialamt abgegeben werden, während…
Lassen wir diesen Punkt hier offen und wenden wir uns der Brutto-Netto-Frage zu. Der französische Erfolgsblogger Eric Dupin – er bringt es sogar auf 2′ 630 Euro monatlich – stellt zu seinem Einkommen klar:
Ce qui signifie que, si l’on prend toujours l’exemple de la somme indiquée dans l’article de Stéphane, soit 2 630.00 Euros HT, il s’agit d’une somme brute dont il faut déduire environ 45% de charges diverses (sociales), ce qui ramène nous ramène à 1 446.50 Euros HT, desquels il faudra encore déduire l’impôt sur les sociétés en cas de bénéfice.
Also 2′300 Schweizerfranken netto. Bleibt die Frage, wer Stéphane ist. Stéphane ist jener Blogger, der am 18. Juli den Artikel Exclusif: les revenus de la blogosphere française veröffentlicht hat, wo er Dupins Gewinn (gain) beziffert, was Dupin zur Klarstellung bewogen hat: nix gain – brutto!
Noch einige Zahlen am Rande bevor wir zwei lustige Svizzeri besuchen. Dupins PresseCitron hat aktuell und abgerundet >10′000 RSS-AbonnentInnen und hatte rund 278′000 BesucherInnen im Juni 2007. BesucherInnen-Zahlen sind heikel. Spontan und konservativ geschätzt sagen wir: Dupin hat >7′000 echte BesucherInnen (aka LeserInnen) täglich.
Nun endlich zu den lustigen Svizzeri. Einer von ihnen namens Peer Dittmar – ist er überhaupt ein waschechter Svizzero? – hat vor wenigen Monaten das erste ernstzunehmende schweizerische Werbe-Blognetzwerk ‘Logcut’ gegründet, wie Logcut-Neumitglied Frank Schrillmacher schreibt (24. Juli, Interview mit Peer Dittmar, Begründer ‘Logcuts’, Die Blogdenunzianten) – gegründet mit dem Ziele, die Blogs in den Werbemarkt zu flechten.
Auf die Schrillmacher-Frage: Wie hoch würden Sie die monatlichen Einnahmen eines durchschnittlichen Bloggers mit ungefähr 500 als eindeutig verifizierten Besuchern schätzen, der an ihrem Premium-Netzwerk teilnimmt?, antwortet Flechter Dittmar pragmatisch:
500 Leser! Nun, die sind wertvoll, aber alleine nicht ausreichend. Aber mit unserem Konzept bieten wir Lösungen. Für diesen Blogger mit seinen 500 Lesern zum einen dadurch, dass er seine Leserschaft innerhalb unseres Netzwerkes erhöhen kann, und andererseits dadurch, dass er im Verbund von Reichweitenkampagnen sofort profitiert.
Was Blogger Schrillmacher von Eric Dupin unterscheidet sind nicht nur die LeserInnen-Zahlen und die Nationalität. Dupin ist ein Blogger, der malocht. Aus der US-amerikanischen Blogosphere wissen wir, dass so genannt erfolgreiche BloggerInnen >12 Stunden pro Tag wie nichts hinlegen. Tagein, tagaus. Das wird bei Dupin nicht anders sein, aber dafür hat er ja auch ein Netto-Einkommen von rund 2′300 Schweizerfranken.
Bleibt zum Schluss – wie es sich für ein Tagebuch gehört – die Frage nach dem eigenen Selbst. Schreibender und der Rest der hier tätigen Gewerkschaft sind Hobbyisten in der Blogosphere und ohne Werbe-Netzwerk sowie Klickads unterwegs – und damit in den Augen von Flechter Dittmar und Blogger Schrillmacher wohl Idealisten, die zudem kindischerweise immer auf dem Sprung zu sein scheinen, den Kommerz-Bloggern aus ethischen Gründen an die Gurgel zu fahren…
… ein Fremdbild, das mit dem Selbstbild so recht nicht übereinstimmen will. Man fühlt sich keineswegs idealistisch, eher einfühlsam-besorgt und fragt sich beispielsweise, wie ein Profi-Blogger Schrillmacher dereinst die Zahnarzt-Rechnung bezahlen wird. Springt dann Flechter Dittmar finanziell ein – oder das Sozialamt?
Aber harren wir geduldig der Dinge, die kommen. Schon ist wieder Freitag. Bis Montag!



[...] kann niemand allein bloggend überleben. Schweizer Blogger sind fürwahr «Hobbyisten» (Zitat: Paperholic), deren Einkommen, falls rein bloggend erwirtschaftet, nicht einmal ausreicht, um beispielsweise [...]