July 19, 2007

Rechtschreibung: Bereits im Jahre 2005 haben wir darauf hingewiesen…

… dass und warum wir kein Eszett verwenden. So steht halt hier aufm Blog beispielsweise man weiss… Wie in der NZZ auch. Leider wurde das Eszett bei der Reform der Rechtschreibung umschifft. Sinnvollerweise hätte man es abgeschafft, denn es passt irgendwie nicht ins Internet-Zeitalter…

… ein Gedanke, an dem auch die Autorin wasweissich des (schönen) Blogs mit dem Untertitel [man weiß ja nie] schon getragen haben dürfte.

PS: Zu heiss geduscht..? Nein, nur ein Text aus Anlass einer Mitteilung per E-Mail zu unserem gastronomischen Merkblatt: Wer sich so arrogant über angehende Sprachwissenschaft(l)erinnen hinschreibt, sollte die Rechtschreibung wenigstens in ihren Grundzügen beherrschen… Es heißt man weiß! Das sehen wir ganz genau auch so, nur anders. Und Arschgeweih ist die weniger förmliche Bezeichnung für Steissbeintattoo [auch: Steißbeintattoo].

By Gris-Gris at 11:31 am CET | Category: Backyard
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9 Responses to “Rechtschreibung: Bereits im Jahre 2005 haben wir darauf hingewiesen…”

  1. T.M. says:

    Sinnvollerweise hat man es behalten, denn das Eszett ist 500 Jahre altes deutsches Kulturgut wie die Großschreibung der Substantive.

    Man muß es ins richtige Licht rücken: die Tatsache, daß es heute Leute gibt, die ihr Unvermögen, richtiges Deutsch zu schreiben, als Argument benutzen, historisch gewachsene Regeln “zu modernisieren”, d.h. auf ihr Deppenniveau herabzuziehen, ist letztendlich eine Ausdrucksform blinden Aktionismus’.

    Das heimliche Verschwinden des Eszetts in der Schweiz kurz vor dem Kriege hatte hingegen andere, nämlich politische Ursachen. Es war weder notwendig (”die Not wenden”!) noch besonders schlau, denn Worte wie “Busse” oder “Massstab” sind einfach widerwärtig.

  2. Gris-Gris says:

    Sind Sie sicher, dass der Genitiv von Aktionismus des einfachen Gänsefüßchens bedarf?

    Aber Sie haben recht, wenn Sie andeuten, dass das Verschwinden des Eszett (sic!) in der Schweiz zumindest dubiose Ursachen hat…

    … interessanterweise taucht es im schweizerischen SMS-Verkehr wieder auf (Wiki, aber auch eigene Beobachtungen hierzu), da es als Zeichen auf der Handy-Tastatur vorhanden ist und ein schnelleres Eintippen der Botschaft ermöglicht (natürlich ohne Beachtung von Regeln – alle “ss” werden zu ß) …

    … ein Vorteil, den mir meine (offiziell “schweizerische”) Eszett-lose Apple-Tastatur leider nicht bietet.

  3. T.M. says:

    Ja, bei diesem Genitiv bin ich mir sicher und muss nicht einmal lange überlegen dabei. Dieses “einfache Gänsefüsschen” ist ein echter, vorgeschriebener Apostroph.

    Bei “Eszett” lautet der Genitiv hingegen zweifelsfrei “des Eszetts” (sic!), sofern man dem Wort in dieser Form eine Existenzberechtigung einräumt. (Oder sagen Sie etwa auch “des Bett” und “des Fett” und “des Brett”?)

  4. Gris-Gris says:

    Nein, ich sage/schreibe “des Bett(e)s”, aber auch: Hans’ Vortrag über die Schattenseiten des Aktionismus.

    Hier treffen sich jetzt zwei sehr Sichere… :cool:

    [Ich wollte Sie aber nicht mit "Spitzfindigkeiten" provozieren, sondern bedanke mich ehrlich für Ihren Kommentar.]

  5. cri says:

    ” …, denn es passt irgendwie nicht ins Internet-Zeitalter”

    Eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Im Internet- und Computertastatur-Zeitalter gilt das Argument, dass da für ein Eszett kein Platz ist , eigentlich nicht mehr. Auf einer Computertastatur haben die Zeichen aller Sprachen der Welt Platz!

    Ich freu mich schon auf das große Eszett:

    http://www.signographie.de/cms/signa_9.htm

  6. Gris-Gris says:

    Auch ist zu beachten:

    “C’est allemand, c’est français, c’est italien, ça existait dans de nombreuses langues européennes. Seul l’allemand a conservé cette ligature jusqu’à aujourd’hui, mais elle a bel et bien été utilisée en français.” (- http://www.pincetonfrancais.be.....rticle=39)

    Deutsche Traditionspflege und/oder romanische Leichtfertigkeit… :shock:

    Die Fonts von Signographie (von Eszett-Anna bis -Timo) wurden installiert und mit Hilfe der österreichischen Zeichenpalette (”Länderauswahl”) getestet. Etwas verwirrend, aber bis zum EU-Beitritt der Schweiz werden wir vermutlich einen einfachen Workaround gefunden haben. Man sieht: Die Bereitschaft zur Integration ist ungebrochen – nicht alle hier wollen ein Sonderzügli!

  7. T.M. says:

    Kein Mensch bringt ja das Zeichensatz- und Sonderzeichenargument bei den Umlauten. Auch mutet die Diskussion über Zusatzzeichen, Häkchen und Akzente beispielsweise in Skandinavien oder Osteuropa so merkwürdig an, dass sie dort kein Mensch ernsthaft in Erwägung ziehen würde. Auch die Franzosen haben Ligaturen, die Spanier haben ein spezielles c. Die Griechen leisten sich sogar ganz allein ein eigenes Alphabet.

    Nur in Deutschland diskutiert man über das Eszett, Professoren und Deppen jeweils mit gleichberechtigter Stimme (und man weiss ja, wer sich stets in der Mehrheit befindet …) Der Leidensdruck andere und wirkliche Probleme betreffend ist eben noch nicht hoch genug.

  8. Gris-Gris says:

    Ich kann Ihre Argumentation – und die von cri – nachvollziehen, und ich bin selber auch für die Erhaltung dieser “Zeichenvielfalt”. Aber…

    Die beiden Blog-Einträge auf Paperholic zum Eszett – also dazu, dass und warum wir kein Eszett verwenden – erfolgten nicht einfach so. In beiden Fällen gingen zwei “Ermahnungen” (aus Deutschland per E-Mail) voraus. In der Schweiz verwendet man das Eszett aber nun halt nicht, und man lehrt es nicht an den Schulen.

    In der Schweiz leben aus Deutschland stammende Blogger – manche verwenden das Eszett. Ich bin noch nie – auch nicht im Traum! – auf die Idee gekommen, von ihnen die Landes-spezifische (d.h. schweizerische) “Schreibweise” einzufordern. Das fände ich deppig – so wie ich es halt auch deppig finde, wenn man uns aus Nichtkenntnis dieser schweizerischen Besonderheit Rechtschreibfehler unterstellt. [Was nicht heissen soll, dass wir gar keine machen... :cool: ]

    Wir können über diese Eszett-Problematik durchaus schmunzeln… Aber unsere Haltung verfestigt sich mit jeder Ermahnung: Schweiz und Eszett – nein!

  9. Ich habe hier noch ein paar Eszett herumliegen, vielleicht versteiger’ ich die demnächst bei eBay. Die passen gut in jedes Bücherregal.



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