May 7, 2007
Politik: Montag ist oft Weltschmerztag
Vom 6.-8. Juni 2007 wird in Heiligendamm der Gipfel der acht mächtigsten Industriestaaten (Gruppe der Acht, G8) stattfinden. Teilnehmer sind: Deutschland (als Gastgeberland), die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada, Japan und Russland. Attac.de verkündet: Doch wir haben genug von Krieg und Menschenrechtsverletzungen, von Umweltzerstörung, Sozialabbau, Steuergeschenken und Konzernhörigkeit!, und ein Foto macht die Runde durch die Blogs und Websites:

Fast unisono lauten die Interpretationen: eine Mauer um das unlegitimierte Treffen der Mächtigen vor denen zu schützen, die sie repräsentieren und über die sie letztendlich entscheiden…
Stichwort Mauer. Man selbst erinnert sich an die Besuche in der DDR vor dem Fall derselben. Man hatte die rosa Brille des jugendlichen Idealismus auf - aber man war offenbar zu bourgeois um verdrängen zu können, was man sah und erlebte: den Verfall, den Mangel, die Vorsicht beim Gegenüber, wenn man ins Gespräch kam. Und dann, wenn man am Alexanderplatz in der spiessbürgerlichsten Gaststätte aller Zeiten den dünnsten Kaffee seines (bisherigen) Lebens trank, dachte man zwangsläufig an den Ausspruch von Winston Churchill: Die Demokratie ist die schlechteste Staatsform, ausgenommen alle anderen.
[Am heutigen Montag liegen Wahlergebnisse vor: Labour verliert die Regionalwahlen in GB, der rechtskonservative Sarkozy gewinnt in Frankreich. Am Montag vor drei Wochen gab es ebenfalls Wahlergebnisse: Die Sozialdemokraten erleiden im Kanton Zürich ein Desaster; dank grüner Doppel-Kandidatur schaffte es keiner der beiden grünen Bewerber in den Regierungsrat, dafür aber Rita Fuhrer von der SVP.]
Und so sollte man denn auch eine andere Interpretation dieses Fotos zumindest in Erwägung ziehen: eine Mauer, um die Linke zu schützen - die demokratische Linke. Eine Mauer wie die Polizeikordons (Kordon, übersetzt Postenkette) am 1. Mai in Zürich, wo man darauf wartete, dass die Posten endlich eingreifen, um die Nike-beschuhten Krawall-Touristen zur Raison zu bringen. Denn man dachte: jede weitere zerborstene Schaufensterscheibe ist ein weiterer Sargnagel für den arbeitsfreien 1. Mai und ein Argument für die Rechte.
Leute von Attac&Co. - ihr dürft selbstverständlich friedlich demonstrieren und euer Weltschmerz ist zumindest nicht unsympathisch. Aber vielleicht wäre ein Update doch langsam angebracht.
By Eric | Category: In Flagranti
Permalink |
TrackBack URL |
Comments/Trackbacks
2 Responses to “Politik: Montag ist oft Weltschmerztag”
Leave a Reply



Was SARKOZY zu tun gedenkt ist das, was wir nach dem Anschluss der DDR an die BRD getan haben: das Heraufbeschören der Patriotische Werten, ohne genau mitzuteilen, auf welche Geschichte wir besonders stolz sein sollen.
Mit “Identié Nationale” hat SARKOZY, der in Frankreich auch LE PEN LIGHT genannt wird, ein gefährlicher Oxymoron geschaffen. In der “Identité Nationale” kann alles hineininterpretiert werden von Ende der Deutsch-Französischen Freundschaft bis Begin eines Französischen Remake des National-Sozialismus.
Die Franzosen die in Deutschland leben haben zu 60 % gegen Sarkozy gestimmt.
Alles ist nun offen in Frankreich. Die Franzosen sollen wissen, dass sie in ihren Grundrechten auch von der Charta der Grundrechten mit unserem berühmten Art. 1 geschützt sind.
Das empfinde ich als Alarmismus.
% der Französinnen und Franzosen haben Sarkozy gewählt - und nicht die Linke. Das lassen wir als Demokraten so stehen.