April 20, 2007
Rückschau: re:publica 07 - Blogger-Konferenz in Berlin
Vom 11.-13. April (Website). Berichte wurden an vielen Stellen geschrieben - ein Zitat-Salat:
Freitag 16 (Bloggen ist weiblich, 20. April)
Erstaunlich eigentlich, dass sich aktuell in Blogger-Kreisen eine Netiquette-Diskussion entzündet hat. Weil der Umgangston vor allem in den Kommentaren bisweilen etwas rüde ausfällt, hatte unlängst Web 2.0-Erfinder Tim O´Reilly einen Verhaltenskodex angemahnt. Blogger sollen die Verantwortung auch für Fremdkommentare auf ihren Seiten übernehmen. In Berlin wollte davon niemand etwas wissen. Für Informationswissenschaftler Rainer Kuhlen ist ein ethischer Diskurs von den sozialen Räumen abhängig, in denen er stattfindet. Deshalb darf er in der elektronischen Welt anders aussehen. “Ich würde mich dagegen wehren”, sagte Kuhlen, “die Regeln der normalen Welt auf das Internet zu übertragen”. Die Ethik des Bloggers sei die Informationskompetenz - wozu auch das gezielte Lügen und Desinformieren gehöre.
FAZ.NET (So wird das nichts, 17. April)
Was die deutschsprachige Blogosphäre nicht nur für Werbetreibende uninteressant macht, ist ihr beklagenswerter und in erster Linie selbstverschuldeter Zustand: Neben der Menge weitgehend unbekannter, nicht selten lesenswerter Blogs gibt es eine zweistellige Zahl prominenter A-Blogs. Diese drehen sich derart raumgreifend um sich selbst, dass für die anderen kein Vorbeikommen ist. Die re:publica hätte ein Befreiungsschlag werden, sie hätte den Blick auf das politische, unterhaltende und informierende Potential von Weblogs lenken können. Stattdessen traten die üblichen Verdächtigen an: die Gastgeber und die digitale Boheme, die Journalisten Thomas Knüwer, Stefan Niggemeier und Mario Sixtus, der schockwellenreitende Jörg Kantel, der dauerpräsente Don Dahlmann und ein paar mehr.
Geredet haben sie über sich und ihre Blogs und über die anderen und deren Blogs. Man sollte sich unterhalten fühlen, wenn ein bärtiger untersetzter Promi-Blogger auf einer Bloggerkonferenz einen großen schlanken Promi-Blogger mit zu kurzem Sakko filmt und dabei wiederum von einem Blogger gefilmt wird, der außerhalb der Szene genauso unbekannt ist wie seine beiden Filmpartner. Mit solch typischen Inhalten wird man nie eine größere Leserschaft von sich überzeugen können, so man das denn will.
FR-online (Böhmische Dörfer, 17. April)
Wenn Politiker selber bloggen, würden sie das Medium meist nur als einen weiteren Distributionskanal für Pressemitteilungen nutzen - den Eindruck eines Konferenzteilnehmers konnte Lumma bestätigen. Im Wahlkampfjahr 2005 hatte er das Wahlblog initiiert und neben anderen auch Politiker zum Bloggen aufgefordert - mit mäßigem Erfolg. Am Ende habe doch nur jeder seine Parteimeinung wiedergegeben und sei auf Gegenargumente in den Kommentaren kaum eingegangen. Problematisch sei mitunter auch, dass man nicht sicher sein könne, wer da überhaupt bloggt: Politiker - oder doch bezahlte Mitarbeiter?
Telepolis (Es geht massiv um Meinung, 14. April)
Vielleicht ist die Furcht der klassischen Medien, die Meinungshoheit zu verlieren, ein Irrtum: Man hat sie gar nicht gehabt, die anderen haben nur bisher geschwiegen.
Tagesspiegel (Der Spaß wird ernst, 12. April)
Für den, der die Schreibhürde erfolgreich nimmt, geht der Ärger mitunter erst richtig los. Die Tagesspiegel-Online-Chefin Mercedes Bunz, die selbst ein privates Weblog führt, sieht bereits „eine Welle an Abmahnungen, die auf Blogger niedergehen“. Die allermeisten Netzautoren seien darauf nicht vorbereitet. „In der Verlagswelt gehören rechtliche Fragen zur Tagesordnung, für Privatpersonen stellen Anwaltskosten dagegen oft unbezahlbare Kosten dar“, sagt Bunz. Rechtsanwalt Udo Vetter, der zu den bekanntesten deutschen Bloggern gehört, sieht auch auf Seiten der Autoren Probleme: „Das ist oft ein Aufeinanderprallen von Menschen, die in der digitalen Welt leben und sich der Macht ihrer Online-Publikationen nicht bewusst sind, und von Leuten aus dem analogen Leben, die sehr schnell klagen.“
By Eric | Category: Blogs
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3 Responses to “Rückschau: re:publica 07 - Blogger-Konferenz in Berlin”
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Hatte auch noch kurz überlegt, da mal vorbeizuschauen. Erstens war auf der republica-Website nicht ersichtlich, wie man an Tickets kommt und zweitens musste ich gähnen, als ich die Teilnehmerliste sah. Das Um-Sich-Selber-Drehen geht munter weiter…
Der “Trick” an der Sphere ist, dass sie Mikrokosmen schafft.
Nicholas Carrs Denkansatz, Blogger mit Bakterien zu vergleichen, welche die Scheisse abbauen, ist einer der fruchtbarsten. Bakterien sind für die Natur von fundamentaler Bedeutung - ohne sie wäre unsere Welt in kürzester Zeit ein einziges Scheisshaus. Darauf sollte man sich als Kleinblogger selbstbewusst berufen.
Wenn nun die Grossblogger Grossskonferenzen veranstalten, dann widerspricht das diesem Prinzip völlig; sie produzieren selber nur noch Scheisse. Aber man durchschaut ja, warum. Sie wären selber gerne so ein etabliertes Scheisshaus, pardon, Verlagshaus.
Ach ja, das vergass er noch: Auch wenn in Neukölln die Zahnarzt-Tochter den Türken gegenüber verdrängt - Kantel braucht sich KEINEN Pudel zuzulegen. Ich analisier keine Scheisse, in die ich trete. Das ist Kantel nicht wert.