May 30, 2005
Gottfried Honegger spricht uns aus dem Herzen: Bären = Sauglattismus, nur Vulgarität – Wer im Käse lebt, sieht die Löcher nicht mehr
630 lebensgrosse Teddybären (…in Trachten, in Unterwäsche) bevölkern diesen Sommer die Stadt Zürich. Eine PR-Aktion der City-Vereinigung Zürich. Manche Künstler und Kunstgewerbler freut’s (Brot und Kuchen), manche chinesischen Touristen freut’s (so hört man es jedenfalls), nur uns freut’s nicht…
Nun spricht uns ein 88jähriger aus dem Herzen, in der Print-Ausgabe des Tages-Anzeigers von heute. Gerne geben wir hier, abschreibend, einige Passagen aus dem Interview mit Gottfried Honegger (Gesprächspartnerin: Barbara Basting) wieder:
Frage: Für Sie sind die Bären eine “visuelle Umweltverschmutzung”. Muss man sie so ernst nehmen? Sind sie überhaupt Kunst?
Honegger: Die Frage ist nicht, ob Kunst oder nicht Kunst, sondern: Was für ein Bild habe wir von unserer Umwelt? Ein wahres Bild, ein verlogenes Bild? Die Differenzierung zwischen angewandter und freier Kunst ist sowieso nur eine Erfindung des Kapitalismus. Früher war Kunst auch ein Stuhl, ein Kleid, eine Skulptur, eine Kathedrale. Weil bei uns die Spekulation die Stadt beherrscht, hat man die Kunst, damit sie nicht ganz ausstirbt, in ein Getto getan, ins Kunsthaus…
Frage: Kunst ist doch heute breiter akzeptiert denn je. Es gibt sogar Kunst, die diesen Bären ähnelt. Etwa Jeff Koons blumengarnierter Riesenhund oder Paul McCarthys Bär. Ist das eine Kunst, das andere visuelle Umweltverschmutzung? Oder beides visuelle Umweltverschmutzung?
Honegger: Kunst ist der Spiegel einer Gesellschaft. Innerhalb dieses gesellschaftlichen Spiels haben Sie ein Spektrum von Aussagen. Die gehen von der Kritik der Gesellschaft bis hin zur Anbiederung an die Gesellschaft wie bei Koons. Koons ist das Bild unserer Gesellschaft. Max Bill dagegen war ein Utopist, er wollte etwas ändern.
Wir haben das Sehen verlernt. Wir differenzieren nicht mehr zwischen der Kritik im Sinne von Picassos “Guernica”, dem Hymnus an die Schönheit im Sinne von Arp, der grossen Utopie im Sinne von Mondrian. Und weil die Gesellschaft das nicht mehr tut, zerfällt dieses Gebäude ganz langsam. Wir kommen mehr und mehr zu Jeff Koons, zum Sauglattismus. Wir amüsieren uns zu Tode, hat der Soziologe Neil Postman schon vor langem prophezeit. Heute ist es so…
Frage: Die Wirtschaft, vetreten in dem Fall durch die City-Vereinigung, argumentiert auch, durch die Bären kommen Touristen in die Stadt, das bringt Geld. Halten Sie das für…
Honegger: …für kriminell. Schlicht und einfach kriminell. Man darf den Menschen nicht der Wirtschaft verkaufen. Ich gehe noch weiter: Der Wohlstand, den wir heute haben, kann, wenn wir wirklich vom philosophischen Standpunkt ausgehen würden, ruhig abgebaut werden, denn der Besitz hat uns Schweizer lahm gemacht. Wir erfinden nicht mehr, wir suchen nicht mehr, wir haben keine Imagination mehr, wir wollen nur bewahren und behaupten.
Frage: Jüngst löste Thomas Hirschhorn eine Kontroverse aus. Sie haben sich kritisch zu Hirschhorn geäussert. Nun kritisieren Sie die Bären. Macht es Ihnen niemand recht?
Honegger: Der Unterschied zwischen den Bären und Hirschhorn ist, dass Hirschhorn absolut seriös ein politisches, soziales Problem angegangen ist. Was ich kritisiert habe, ist nicht seine Kritik, sondern seine Form. Hier, bei den Bären, ist gar nichts vorhanden, nur Vulgarität.
Related links:
Tages-Anzeiger: Die Bären im Bild
Wo Gottfried Honeggers Impulse entstehen/NZZ-Folio
City-Vereinigung Zürich
By Gris-Gris at 3:32 pm CET | Category: In Flagranti
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May 26, 2005
Budapest 1919-2000

A photo collection (descriptions in Hungarian). Via: SZANALMAS.HU
By Eric at 1:08 am CET | Category: Linktips
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April 29, 2005
Geholfen hat’s nix! (Buchjubilare)

Lucius Burckhardt, Max Frisch, Markus Kutter (unter Zuzug der Architekten Rolf Gutmann und Theo Manz): achtung: die Schweiz. Ein Gespräch über unsere Lage und ein Vorschlag zur Tat. Basel und Zürich, 1955.
Update (May 1st):
Raumpatrouillenführer und GGK-Hagiograph Ralf Zeigermann (The Cartoonist) weist uns dankenswerterweise auf die Homepage von Markus Kutter hin. Kutter gründete 1959 zusammen mit Karl Gerstner und Paul Gredinger die Werbeagentur GGK; Kutters nachhaltigster Erfolg auf politischer Ebene war die Einführung eines Stehpultes für Votanten (die vorher immer sitzend reden mussten) im baselstädtischen Parlament.
Der hier Schreibende lernte Herrn Kutter persönlich nie kennen (geschweige denn Max Frisch), durfte aber zwei Semester bei Lucius Burckhardt – my best teacher ever! – studieren zu einer Zeit, als an der ETH in Zürich Architektur und Städtebau noch richtig – und nicht als l’art pour l’art – unterrichtet wurden. (Gastdozent Burckhardt wanderte später dann ja nach Deutschland aus…)
By Eric at 3:43 am CET | Category: Backyard, In Flagranti
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April 25, 2005
La sua imaginazione
La ragazza pneumatica, ma non solo… La calza, ma non solo… Il piede femminile, ma non solo… The homepage of Roberto Baldazzini.
By Eric at 11:51 pm CET | Category: Linktips
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April 2, 2005
PARIZHSKAYA KOMMUNA (Formerly Also FRIDRIKH ADLER)

Build in 1914… Names: IOANN GROZNYY …1914 / PETROGRAD …1919 / FRIDRIKH ADLER …1919 / PAMYAT PARIZHSKOY KOMMUNY …1920 / PARIZHSKAYA KOMMUNA … Since mid-90’s the ship was in Khlebnikovo, later towed to Belyy Gorodok, where she burned down 1999.
The PARIZHSKAYA KOMMUNA was a motor ship of the type BORODINO – the first screw passenger motor ships and the first large series of river passenger ships in Russia.
During the Russian Civil war the ships were used for the needs of the Red army at Tsaritsyn front; during WWII the ships participated in the evacuation of people and wounded soldiers from Stalingrad and carried military cargoes. Six ships remained. They were radically rebuilt in Astrakhan in the years 1954-1961.
Russian River Ships – also a fascinating mirror of Russian history. Site author: Aleksey S. Yablonskiy.


